Die Kazan-Kinder
Izzetin
Guelistan
Berivan
Izettin             
(15 Jahre, - Brentanoschule Altenhasslau)
Gülistan
(14 Jahre, - Förderstufe Lieblos)
Berivan
(13 Jahre, -  Förderstufe Lieblos)
Oemer
Gülçin
(10 Jahre, - Anton Calaminus Schule Rothenbergen)
Beritan
(9 Jahre, -  Anton Calaminus Schule Rothenbergen)
Ömer
( 4 Jahre, - Kindergarten, Rothenbergen)1

Die Kinder der Familie Kazan,
ein Beispiel für eine erfolgreiche Integration

- aus der Hasuaufgabenhilfe -

In Gründau Rothenbergen arbeitet seit 15 Jahren eine ehrenamtliche Hausaufgabenhilfe, deren Hauptanliegen das Heranführen von Kindern mit Migrationshintergrund an den schulischen Standard ist. Die Hausaufgabenhilfe ist ein Ableger der Nachbarschaftshilfe der Evangelischen Kirchengemeinde „Auf dem Berg“. Sie kooperiert eng mit der Schule vor Ort. Die Teilnahme ist freiwillig. Neben Kindern, die nur "ad hoc" kommen um punktuelle Hindernisse zu überwinden, bilden sich aber immer wieder Schülergruppierungen, die regelmäßig anwesend sind und für die Arbeit bei der Hausaufgabenhilfe ein fester Bestandteil ihres Nachmittagsprogramms ist. Zu diesen zweiten Gruppe gehörten die schulpflichtigen Kinder der Familie Kazan.

Da in der Hausaufgabenhilfe vergleichsweise wenige Schülerinnen und Schüler auf eine Betreuerin kommen, können diese ein tragendes Vertrauensverhältnis zu ihren Schützlingen aufbauen und deren Verhaltensweisen und Wesensmerkmale gut kennenlernen.
Die Kazan-Kinder waren aufgeweckt und lebensfroh aber nicht aufdringlich. Sie waren kontaktfreudig und bei ihren Mitschülern und Mitschülerinnen sehr beliebt. Sie waren auch in den Häusern ihrer Klassenkameraden gern gesehen. Diese deutschen Eltern betrachteten sie als gute Freunde ihrer Kinder, die einen positiven Einfluss auf diese ausübten. Dies traf vor allem für die vier Mädchen zu.
Ihre schulische Arbeit erledigten sie zielstrebig, sorgfältig und mit sachorientierter Neugierde. So hatten sie sehr bald die Defizite ausgeglichen, die sie auf Grund ihrer Herkunft mitbrachten.  Dem ältesten Mädchen, Gülistan, wurde nach dem Abschluss der Förderstufe die Eignung für die 7. Klasse des Gymnasiums zugesprochen. Sie und ihre Schwester belegten die Plätze 1 und 2 im Vorlesewettbewerb ihrer Schule.
Die Eltern Kazan, besonders die Mutter, unterstützten den Integrationsprozess ihrer Kinder ohne Einschränkung. Sie durften im Gegensatz zu anderen muslimischen Mädchen ganz selbstverständlich am Schwimmunterricht teilnehmen oder mit auf Klassenfahrten gehen. Sie beteiligten sich an verschiedensten schulischen Aktivitäten. Die Mutter beteiligte sich aktiv bei schulischen Aktivitäten wie Klassenfesten u.a.
Alles deutete darauf hin, dass hier Kinder heranwuchsen, die eine Sozialisation erfuhren, wie wir sie in unserer Gesellschaft brauchen, geprägt von Teamfähigkeit, Selbstverantwortung, Leistungsfähigkeit und großer Hilfsbereitschaft. Gerade der letztgenannte Charakterzug muss hervorgehoben werden. Es gab immer wieder Situationen in der Hausaufgabenhilfe, wo besonders die beiden älteren Kazan-Töchter Mitschüler unter die Fittiche nahmen, weil diese im Unterricht nicht so recht aufgepasst hatten.
Dieser gute Weg in ein vielversprechendes Erwachsenenleben wurde durch einen Behördenentscheid "nach Aktenlage" abrupt beendet. Junge Menschen, die wir in diesem Land in Zukunft dringend bräuchten, leben jetzt in unvorstellbar primitiven Verhältnissen im Südosten der Türkei in einem Ort ohne fließendes Wasser, weitab von einer Schule oder auch nur einer einfachen medizinischen Infrastruktur. Kontakte, die zu ihnen hergestellt werden konnten, haben ergeben, dass sie inzwischen alle krank und völlig traumatisiert sind.
1 Alter der Kinder zum Zeitpunkt der Abschiebung im Februar 2007

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